Die Fahrt nach Nuweiba war sehr skurril. Obwohl voll mit Ägyptern, fühlten wir uns an zu hause erinnert. Das Schiff verkehrte bis 2004 zwischen Larvik und Fredrikshaven und es wurde außer einem Tisch für die Passkontrolle und den Plastikfolien auf den Teppichen nichts verändert. Sogar die Norwegen Poster waren noch dran.
Nach den Informationen, die wir hatten, waren wir auf einen Papierkrieg und auf stundenlanges warten vorbereitet. Nachts um 2.30 in Nuweiba angekommen, nahm sich uns ein Mann der Tourism Police an und half uns durch alle Formalitäten. Nach vier Std. waren wir durch, ohne auch nur den geringsten Stress gehabt zu haben. Waren wir froh. Unser Vorteil war sicherlich dass wir in der Nacht angekommen sind und wenig los war.
Nun ging es über die Sinai in Richtung Suez auf den afrikanischen Kontinent und dann an der Ostkueste entlang.
Sandsturm auf der Sinai.
Seit dem Anschlag vor einigen Jahren in Luxor gibt es Polizei Check-Points und Polizei Konvois für Touristenbusse und -autos. Man wird freundlich und rasch durchgelassen, nach dem Namen gefragt und verabschiedet sich meist mit Handschlag. Alles kein Problem. Die Polizei ist da, um die Touristen zu schützen. Aber vor wem? Mit Ägyptern selbst haben wir nur gute Erfahrungen gemacht und fühlten uns in keiner Sekunde unsicher. Von Einheimischen bekommt man die Aussage, dass das Ägypten nicht gefährlich ist. Von der Polizei allerdings bekommt man zu hören, dass das Land sehr gefährlich ist und dass es zu gefährlich ist alleine durch die Gegend zu fahren. Wie kann es gefährlich sein, wenn alle 2 Kilometer jemand mit dem Maschinengewehr steht?!
Wenn man die Polizei nach dem Grund für den nötigen Schutz fragt, kommt erstmal ein langes „Ähh...“ und keine wirkliche Erklärung.
Selbst auf den Campingplätzen ist man gut bewacht.
Ein Hotelbesitzer sagte uns, dass die ganzen Kontrollen eigentlich schon vor drei Jahren hätten aufgegeben werden sollen. Aber anscheinend ist das nicht so einfach. Was macht man dann mit den ganzen arbeitslosen Polizisten?! Es kann einem also passieren, dass man eine Eskorte mit sechs Polizisten in einem Auto bekommt, die einen für 1km begleitet oder dass man nach langer Diskussion dann doch einen Polizisten mit ins Auto bekommt. Da alle Polizisten stehts freundlich und auch für ein Spässchen aufgelegt waren, war das alles nicht so schlimm. Und wenn der „General“ sagt man braucht eine Eskorte...ok. Immer noch besser als in einem Konvoi zu fahren, der dreimal am Tag den wunderschönen Nil entlang rast, 30-40 Busse und Autos enthält und mit 100km/h durch die Orte brettert. Da bleibt keine Zeit, um die schöne Landschaft und die Leute zu geniessen. Denn erstens schaffen wir gar keine 100, zweitens ist es unverantwortlich auf den Strassen so schnell zu fahren und drittens wenn jemand ein Ziel sucht, dann doch dieses.
Passagierfähre über den Nil in Luxor.
Das berühmte Tal der Könige mit seinen schönen Gräbern muss man gesehen haben, wenn man schon in Luxor ist. Sobald man den Eintritt von 55EP (knapp 10€) pro Person berappt hat, darf man sich aber lediglich 3 von den zahlreichen Gräbern anschauen. Das Grab des Tutenchamun kostet 70EP extra! In den Gräbern wird einem das Fotografieren nicht gestattet, obwohl auf allen Schildern nur die Benutzung des Blitzes untersagt wird. Eine Diskussion mit den Aufsehern ist zwecklos.
Die Zeichnungen an den Wänden werden einem für echt und original verkauft, obwohl man den frischen Putz und die mit dem Lineal gezogenen Markerlinien nicht übersehen kann. Das Bild und die Erwartung mit denen man zu solchen Orten geht, werden enttäuschend minimiert. Es ist schade, aber das nächste Mal werde ich mir lieber ein Buch darüber kaufen. Wir haben zudem beschlossen in Zukunft Touristenattraktionen zu meiden. Ein viel grösseres Erlebnis ist es mit dn Einheimischen die normale Passagierfähre über den Nil zu nehmen. Da hat man mehr davon.
Die Fähre von Aswan nach Wadi Halfa ist die einzige Verbindung will man von Norden her nach Ostafrika mit dem Auto. Der Landweg über Abu Simbel ist leider versperrt. Die andere Route wäre über Saudi-Arabien, doch die blieb uns leider verwehrt. Daher blieb uns nichts anderes übrig als die sehr teure Fähre über den Aswan Staudamm zu nehmen.
Wenn man das Passagierschiff und das Gepäckschiff sieht (das unter anderem die Autos transportiert), müsste man eigentlich noch etwas dafür bekommen. Stattdessen zahlt man stolze 2452EP (ca. 370 €) für das Auto und 383EP (ca. 60€) pro Person, erste Klasse versteht sich. Die zweite Klasse ist nur 10€ billiger, dafür aber umso überfüllter und man muss sich die Zeit auf normalen Sitzbänken vertreiben.
Wir mussten um neun Uhr morgens an der Fähre sein, die dann schließlich um sechs Uhr abends ab fuhr. Unsere Stempel hatten wir relativ schnell, doch bis die Autos geladen waren mussten wir warten. Bei der Beladung des Schiffs mit allen möglichen Gütern - reichlich Orangen, Zement und Kühlschränke – ging es zu wie im Ameisenhaufen. Viel Geschrei und Getümmel und obwohl man dachte ein System dahinter zu entdecken suchte man vergeblich. Ich weiß nicht wie viel Kühlschränke letztendlich später auch kühlen werden. Solche Fähren stellt man sich oft überfüllt, dreckig und dem Untergang nahe vor, ähnlich der Flüchtlingsschiffe, die man aus den Nachrichten kennt. Unser Schiff war ok, man kam aber um diese Assoziation nicht umhin. Wir waren froh nach 17 Std. die Nacht und Ûberfahrt heil überstanden zu haben. Es war definitiv ein Erlebnis.
Warten im Hafen von Aswan.
Beladen des Frachtschiffes und der Fähre.
Endlich dürfen unsere Fahrzeuge auf das Schiff.
Die Autos stehen fest verschnürt in mitten von Kühlschränken, Koffern, Reis und Orangen.