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2007-01-09
 
 
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You, you, you - give me money!

zeit: 2006-04-15
pos: Nairobi, Kenia
autor: frank



 
Herzlichen Dank an:
Kapitel
Kenya - the sweet part
2006-11-02


Nordkenia - der Härtetest
2006-05-21


You, you, you - give me money!
2006-04-15


Sudan - very "sandily"
2006-03-22


Aegypten - zwischen tempeln und polizeikontrollen
2006-03-19


Welcome to Jordan!
2006-03-06


Freunde in Syrien!
2006-02-22


Durch die Türkei
2006-02-16


Unser Landy wird repariert
2006-02-14


Stecknadelsuche
2006-02-09


Türkischer Verkehr
2006-02-08


Am äusserern Rand von Europa
2006-02-07


Durch den verschneiten Balkan
2006-02-06


Vom Loiblpass bis nach Kroatien
2006-02-04


Erstes Buschcamping - slowenische Grenze
2006-02-03


Ab nach Afrika!
2006-02-02


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Vom Sudan her kommend überquert man bei Metema die Grenze in ein wunderschönes Land, das einem trotz seiner Armut und Hungerkrisen sehr fruchtbar in Erscheinung tritt. Wir haben im Verlauf unserer bisherigen Reise schon einige Grenzen hinter uns gelassen und trotzdem fährt man immer wieder mit einem angespannten Gefühl darauf zu. Im Gegensatz zu unserer Einreise in Wadi Halfa, verlief hier alles ohne Probleme, zügig und mit einem freundlichen Lächeln der Beamten – ein viel besserer Anfang als im Sudan. Wir sollten sogar einen Fragebogen ausfüllen, in dem sie uns nach unserer Meinung und nach Verbesserungsvorschlägen fragten. Der Fragebogen landete dann in einem Kummerkasten. Wow!
Metema ist zur Hälfte im Sudan und zur anderen in Äthiopien, verbunden durch eine kleine Brücke, über die die Menschen hin und her gehen. Auf einmal sieht man Menschen in bunten Kleidern, mit Sonnenschirmen, öffentlich Händchen haltend und man begreift, dass man um einen schritt weiter in Afrika ist, vor allem aber nicht mehr in einem muslimischen Land ist. Seit der Türkei waren wir nun in muslimischen Ländern unterwegs gewesen und haben uns im Verlauf an die Atmosphäre und Lebensweise gewöhnt.

Auf der Fahrt über Gonder, Lalibela und Woldia ins Landesinnere durchquert man durchweg bewirtschaftetes Land und passiert Rinder und Ziegenherden. Selbst noch in 3500m ist jeder Fleck, inklusive Straße und sei er auch noch so steil ausgenutzt und nicht selten sieht man Früchte oder Gewürze am Straßenrand zum Trocknen ausliegen. Asphaltierte Straßen sind in Äthiopien allerdings eine Rarität und vor allem im nördlicheren Teil schwer zu finden – und das liegt nicht an dem fehlenden Willen Straßen überhaupt zu bauen. Das Problem ist, dass der Asphalt von der Bevölkerung noch abgetragen wird, bevor er überhaupt trocken ist und für eigene Bauzwecke verwendet wird. Eine ziemliche Sisyphusarbeit für die Firmen. Die Europäische Union (herzlichen Dank an die EU) hat es zwischen Woldia und Addis zu unserer Freude aber geschafft, eine Strasse zu bauen. Von den grausamen Schotter/Steinpisten auf den perfekten Asphalt kommend, glaubten wir auf diesem Wunderwerk der Straßenbaukunst zu fliegen. Doch auch hier gibt es ein kleines Problem. Der Straßenrand wird abgetragen, um z.B. zu hause seine Früchte und Gewürze zu trocknen. Klar, wer will auch schon seine Lebensmittel neben der Straße auslegen, wenn man es auch im eigenen Garten tun kann.
Da die Straßen somit auf eine Spur in jede Richtung reduziert sind und diese zusätzlich noch, neben Menschen und Schlaglöchern, von Kühen und Eseln bevölkert sind, die genau in dem Moment die Straße kreuzen, wenn man angefahren kommt, kommt man sich vor wie bei Super Mario III (in Afrika).

ethiopian road rally

Straßen werden hier von jedem und allem in Anspruch genommen.


Im Allgemeinen sind die Straßen in Äthiopien schlecht, was, zugegeben eine Untertreibung ist. Eine große. Es waren bisher die schlimmsten überhaupt. Sie schütteln das Auto inklusive allem, was sich darin befindet so lange durch, bis man, in Addis Abeba angekommen, als erstes in die nächste Garage fahren kann. Die „Straßen“ bestehen vor allem aus Schotter, spitzen Steinen und Schlaglöchern, die einem teilweise nur eine Höchstgeschwindigkeit von 15-20 km/h erlauben. Wirklich ein Wunder, dass wir bisher noch keinen Platten hatten. Im Sudan waren unsere Reifen noch wie neu. Nach 4 Tagen Äthiopien sahen sie aus, als ob jemand mit dem Messer kleine Stücke aus dem Profil herausgeschnitten hat!

main road in ethiopia

Das ist eine Hauptstraße in Äthiopien!



In Addis gelandet waren wir nach zwei anstrengenden 12 Stunden-Tagen gut „massiert“ und froh heile angekommen zu sein. Froh deshalb, da wir die letzte Stunde bis Addis bei Dunkelheit gefahren sind. In diesen Ländern ist das wahrlich nicht zu empfehlen. Es gibt keine Straßenbeleuchtung, keinen Randstreifen und die entgegenkommenden Autos haben keine oder falsch eingestellte Lichter. Auf einmal sah ich vor mir in meinem Scheinwerferlicht einen toten Esel auftauchen. Ich konnte ihm gerade noch ausweichen, ohne zusätzlich in die gerade entgegenkommenden Autos zu rauschen. Staffan konnte vom Beifahrersitz aus nur noch schreien und sah schon sein Leben im Schnelldurchlauf noch einmal an ihm vorbei ziehen. Mehr kann man vom Beifahrersitz leider auch gar nichts machen.
Auch wenn das Fahren in Äthiopien wirklich anstrengend ist, muss ich sagen, fand ich es landschaftlich das bisher schönste Land, durch das wir gefahren sind. Das Hochland bietet einem atemberaubende Ausblicke in die Täler, die Landschaft ist neben kargen und trockenen Gegenden fruchtbar, kultiviert und idyllisch. Ein tolles Urlaubsland. Es war teilweise schwer zu glauben, dass dieses Land so arm ist und hungern muss. Keine Frage, im Süden sieht es mit den Hungernöten anders aus. Aber in diesem Teil Äthiopiens scheinen die Menschen sich relativ gut versorgen zu können. Man fragt sich, welchen Nutzen die Hilfsorganisationen hier haben? Fast jedes zweite Auto ist ein neuer Land Cruiser von einer der zahlreichen Hilfsorganisationen, die in jedem noch so kleinen Dorf Projekte durchführen. Und trotzdem betteln die Menschen in aggressiver und unangenehmer Weise. Ich bin mir nicht sicher, ob sie die Menschen wirklich in ihrer Entwicklung und Selbständigkeit fördern oder ob sie die Menschen vielleicht nicht noch mehr abhängig machen und daran gewöhnen, dass die Faranjis kommen und Geld bringen?
Es gibt sicherlich viele Projekte, die wirklich sinnvoll und hilfreich sind. Aber diese Präsenz ist sicherlich nicht gut für die Menschen. Entwicklungshilfe so ein komplexes und vielschichtiges Thema, dass es wirklich schwierig ist sich eine klare Meinung darüber zu bilden. Doch in all den Gesprächen und Diskussionen mit anderen Reisenden, die auch teilweise selbst in Projekten und Organisationen gearbeitet haben, war die Skepsis darüber bei allen immer größer.

highlands ethiopia

Südlich von Woldia genießen wir atembraubende Ausblicke.


Das Nervigste in Äthiopien sind die bettelnden Kinder. Sie machen es fast unmöglich sich auch nur für 10 Sekunden irgendwo hinzustellen, geschweige denn irgendwo zu campen. Sie kommen wie die Orcs aus allen Ecken angerannt, schreien unablässig „you you you“ und rennen kilometerlang um ihr Leben, um am Ende nach einem Stift oder ein paar Birr zu fragen, die sie in unserem Fall nie bekamen. Ein ziemlich schwieriges Unterfangen für die Kinder, da die meisten Overlander in den Dörfern nicht anhalten. Wir haben uns oft gefragt, woher dieses Verhalten kommt? So viele Touristen kommen hier eigentlich nicht durch.

Das Unangenehmste, das bisher auch jedem anderen Overlander widerfahren ist, sind fliegende Steine und Stöcke von Seiten der bettelnden Kinder. Bei uns hat es nach zwei Steinwürfen aufs Auto den rechten Rückspiegel zerschmettert. Welchen Grund hat man dann noch in den Dörfern anzuhalten, wenn man Angst haben muss, dass man mit Steinen beworfen wird. Da schaut man, dass man da so schnell wie möglich durch kommt. Bei den ersten beiden Steinwürfen haben wir jeweils eine Vollbremsung eingelegt und haben versucht die Leute zur Rede zu stellen. Der Täter war natürlich schon weg. Der Rest des Dorfes hat einen nur unverständlich und verstört angeschaut.
Ken, der mit dem Fahrrad unterwegs ist, hat sich zur Selbstverteidigung irgendwann mit Steinen auf seiner Lenkertasche bewaffnet, nachdem ihm die Kids beim Bergauffahren Trinkflaschen & Co gestohlen haben und ihn mit Steinen und Stöcken beworfen haben, so dass es Striemen auf dem Rücken hatte.
Katie und James, mit denen wir zusammen durch Äthiopien fuhren, hat ein Kind einen mit Diesel gefüllten 25-Liter Kanister bei voller Fahrt vors Auto geworfen. James hatte es gerade noch geschafft auszuweichen. Ich möchte mir nicht ausmalen, was dabei hätte passieren können. James ging ihm nach, doch es konnte leider fliehen. Ich weiß nicht, ob seine Mutter ihn später schelten würde oder ob sie ihm zurief wegzulaufen!? Ruckzuck war aber das ganze Dorf versammelt und zahlreiche Männer mit Gewehren wollten wissen, was los war. Glücklicherweise ist die Situation nicht entgleist und ich glaube, sie haben eingesehen, dass James Ärger gerechtfertigt war. Die Situation war ziemlich delikat, als wir vom Dorf und von bewaffneten Männern umringt waren und ich bin froh, dass wir alles friedlich beenden konnten.
Leider konnten wir uns keinen Reim darauf machen, woher dieses Verhalten der Kinder kommt. Eines war uns aber sehr schnell klar: so schön das Land ist, wir wollen hier so schnell wie möglich raus!

begging people

Im Spießroutenlauf gehts mit Katie & James an den bettelnden Kindern vorbei.


Leider hat uns Sally durch diesen Plan einen Strich gemacht. Nach 4 Tagen in Äthiopien und gerade auf dem Weg nach Lalibela hat Sally kurz hinter Gonder angefangen schwarzen und weißen Rauch auszuspucken! Die Strassen waren steinige und hügelige Schotterstrassen, die uns nur eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 34 km/h erlaubten – und wir hatten noch ca. 1000 km bis Addis Abeba vor uns!! Sally verlor zusätzlich noch Öl und wir wussten nicht wie schlimm der Schaden sein wird! Wir hatten uns gegen die anscheinend sehr schönen Kirchen von Lalibela entschieden, wohin die letzten 70 Kilometer „Straße“ noch schlimmer gewesen wären und machten uns so schnell wie es ging auf den Weg in Richtung Addis, wo wir die nächste Land Rover Werkstatt wussten.

Addis hat uns fast zwei Wochen behalten. Diagnose der Werkstatt: kaputte Kolbenringe und beschädigte Kolbenschäfte, .... – kurz gesagt, der Motor musste komplett überholt werden! Hätten wir diese Reparatur in Deutschland machen müssen, wäre unsere Reise zu diesem Zeitpunkt zu Ende gewesen. Wir mussten zwar einiges an Geld hinlegen, doch alles in allem kamen wir mit 1000 € davon und konnten weiter nach Kenia fahren. Doch im Moment können wir noch nicht sagen, ob wir es mit dem verbleibenden Budget, das schon durch den Werkstattbesuch in der Türkei leiden musste, bis nach Südafrika schaffen werden.

ethio lakes workshop

Sally im OP. Hofentlich geht alles gut!


BAro Hotel, Addis

Baro Hotel, Addis. Campbell und Mark machen ihre Bikes fertig.



Das Einzige, was wir machen konnten war, es uns im inzwischen berühmtberüchtigten Baro Hotel in Addis gemütlich zu machen, Ewigkeiten auf unser Essen zu warten, Magenprobleme zu bekommen, über die Strasse ins Internet Café zu gehen und uns mit einer überaus netten Gruppe, ja schon Familie von anderen Travellern die Zeit zu vertreiben. Das Baro wird mir in sehr guter Erinnerung bleiben! Ich bin gespannt wie es mit Amarantha weiter geht, eine Backpackerin, die seit eineinhalb Jahren mit dem Rucksack unterwegs ist und bisher vergeblich versucht hat ein Visum für den Sudan zu bekommen, um dann in Ägypten ihre Reise zu beenden. Wird sie über Eritrea weiter reisen oder irgendwann entnervt ein Ticket nach England buchen? Campbell und Mark, zwei Motorradfahrer, die ewig in Addis auf Ersatzteile warten mussten, werden uns später noch auf der berühmten Horrorstrecke Moyale-Marsabit im Norden Kenias begleiten. Sebastian wird noch bis Juni im Goethe-Institut sein freiwilliges Praktikum absolvieren und dann seine Reise mit seinem Fahrrad fortführen. Ziel: Kappstadt. Ich hoffe er besucht uns später noch in Nairobi. Mike, eigentlich mit dem Motorrad auf dem Weg nach Indien, wird vorher wahrscheinlich noch eine Weile in Afrika bleiben und sich einige schöne Strecken für off-road shoot-outs suchen.
An alle von Euch gehen viele Grüsse und viel Glück für Eure weiteren Reisen.

street surfer, Addis

Mitfahrgelegenheit durch Addis Abeba.


Unser Motor wurde also komplett überholt und sollte eigentlich nun wie neu sein. Immerhin sah er frisch gestrichen so aus und klang um einiges „runder“. Auf dem Weg von Addis nach Moyale verloren wir allerdings aus bisher unerfindlichem Grund 2.5 Liter Öl pro Tag?!?!? Ich dachte das Auto wurde gerade repariert und der Motor in einen „wie-neu“ Zustand versetzt?! Nach einem Telefonat von Moyale aus mit der Werkstatt  boten sie uns an, nach Nairobi zu fahren, um den Schaden zu beheben und sie würden dann für den vorhandenen Schaden aufkommen. Wollen wir hoffen, dass sie ihr Wort halten. Wir sehen uns in Nairobi.

ethiopien highlands

Hochland von Äthiopien, Licht und Schattenspiel kurz vor einem Gewitter.


Katie&James in front

Südlich von Yabello. Herrlich einen anderen Landy im Blick zu haben.


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