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2007-01-09
 
 
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Nordkenia - der Härtetest

zeit: 2006-05-21
pos: nairobi, kenia
autor: staffan



 
Herzlichen Dank an:
Kapitel
Kenya - the sweet part
2006-11-02


Nordkenia - der Härtetest
2006-05-21


You, you, you - give me money!
2006-04-15


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2006-03-22


Aegypten - zwischen tempeln und polizeikontrollen
2006-03-19


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2006-03-06


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2006-02-22


Durch die Türkei
2006-02-16


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2006-02-14


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2006-02-02


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-Impossible, you never make it! Even Land Rover, no way. Too late, the rains already started. Maybe if you put car on truck. But still take at least two weeks! The bridges, gone! No road! All cars stuck. For weeks!

Das waren die Worte des äthiopischen Zollbeamten, der uns den letzten Stempel gab, um aus Äthiopien ausreisen zu dürfen. Er sprach von der Strasse, vor der wir uns schon so lange fürchteten. Sie war seit unserer Abfahrt an diesem kalten Tag im Januar in Schweden vor zweieinhalb Monate der Hauptgrund für unser hohes Tempo gewesen. Es war das berühmtberüchtigte Stück Strasse zwischen der Grenzstadt Moyale und dem 500 km weiter südlich gelegenen Isiolo, dem Anfang des kenianischen Hochlands. Eine fürchterliche Schlammstrasse, bekannt dafür, auch die best ausgestatteten Fahrzeuge zu Fall zu bringen. Und wenn das nicht schon genug wäre, ist der Norden von Kenia auch noch für seine shiftas (Banditen) bekannt, die jeden Miraa kauenden LKW-Fahrer vor Angst die Knie zittern lassen. Wir nahmen unseren Reiseführer zu Hand, in der Hoffnung auf einen aufmunternden Ratschlag. Doch auch dieser hat uns nicht wirklich beruhigen können: „...in der Regenzeit absolut unpassierbar. Tiefe Schlammpassagen, weggeschwemmte Brücken und häufig Angriffe von Banditen, fast immer mit tödlichem Ausgang...“ Die Information war sechs Jahre alt und wir hatten gehört, dass sich die Sicherheitslage in den letzten Jahren stark verbessert hat. Man war nicht länger verpflichtet sich einem zu schnell fahrenden, bewaffneten Konvoi anzuschließen und doch war es eine etwas unwohl dreinschauende Reisegemeinschaft, die da aus dem Zollbüro kam. Der Himmel war dunkelgrau und Regenbehangen.

Es gibt nur noch eine andere Möglichkeit nach Kenia einzureisen, aber ob ihr es glaubt oder nicht, die Strasse dort ist noch schlimmer. Und die Situation scheint nicht besser zu werden. Zumindest nicht vor Juni, wenn die Regenzeit zu Ende geht.
Da Moyale nicht gerade die Stadt ist, in der man für einige Monate die Regenzeit überwintern möchte und wir auch nicht daran interessiert waren wieder zurück nach Äthiopien zu gehen, blieb uns keine große Wahl, als es zu versuchen. Zudem wartete in Kibera ein Workshop auf uns.

Es gab also keine großen Auswahlmöglichkeiten und trotz der vielen Gedanken, die seit dem Morgen durch unsere Köpfe wanderten, war zwischendrin ein Gefühl von Abenteuerlust und Begeisterung zu finden. Das Abenteuer, von dem wir so lange geträumt hatten, stand nun vor uns, wahrhaftiger denn je. James beschwerte sich seit dem Sudan, dass es überhaupt viel zu wenig Schlammpassagen gibt und er nie die Möglichkeit haben würde, seine Mud-Terrain Reifen zum Einsatz zu bringen. So, wie die Situation aussah, wurden seine Gebete erhört. Letztendlich waren wir vier zum Schieben, Naala (James und Katies Land Rover) war mit einer nagelneuen Seilwinde ausgestattet und wir hatten unsere Diesel-, Wasser- und Essensvorräte komplett aufgefüllt. Das sollte uns mit guter Wahrscheinlichkeit in einem Stück nach Isiolo bringen.

Wir überquerten wieder eine Grenzbrücke, dieses Mal nach Kenia und obwohl wir ein mulmiges Gefühl angesichts der bevorstehenden Strasse hatten, fühlten wir uns erleichtert endlich aus Äthiopien heraus zu sein. Dann, in genau dem Moment, in dem wir die Brücke überquerten kam die Sonne durch die Wolken und wärmte unsere betrübten Gesichter und auch wenn keiner es laut sagen wollte, waren wir alle ganz froh nun einen kleinen zweier Konvoi zustande gebracht zu haben.

washed away

An manchen Stellen wäre es ziemlich schwierig geworden.



Der kenianische Grenzbeamte bestärkte noch unsere Hoffnung. -You are so lucky! So lucky! No rain for five days! They fixed bridges! So lucky! The road is good! Welcome to Kenya! Seine Worte hoben unsere Stimmung und sogar noch mehr, als wir aus dem Grenzbüro draußen waren, denn es war wahrscheinlich die schnellste Grenzabfertigung unserer gesamten Reise. Um dem Ganzen noch die Krönung zu geben, konnten wir plötzlich den unverkennbaren Klang von Campbells Kawasaki vernehmen, die zusammen mit Marc und seiner BMW über die Grenzbrücke kamen. Wir hatten mit ihnen eine lose Abmachung getroffen gehabt, das kommende Stück zusammen zu fahren, doch da sie Addis schon einen Tag vor uns verlassen hatten, waren wir uns nicht sicher gewesen, ob sie ihre Motorräder nicht schon auf einen LKW geladen hatten oder ob sie es vielleicht sogar auf eigene Faust nach Isiolo versucht hatten. Ich glaube nicht zu übertreiben, wenn ich sage, dass wir mehr als begeistert waren sie hier auf der kenianischen Seite von Moyale wieder zu sehen. Auch wenn die Neuigkeiten über die Strasse ermutigend waren, wussten wir von früheren Erfahrungen, dass die afrikanische Definition „gute Strasse“ nicht immer vergleichbar mit der in Europa ist. Aus dem Grund waren wir umso erfreuter, neben der guten Gesellschaft, zwei weitere Personen im Team zu haben, falls es doch irgendwo zu schlammig werden sollte. Die Motorradfahrer waren ebenfalls froh, da wir nun einen Teil ihrer schweren Ausrüstung im Auto transportieren konnten. Am Ende verließen wir Moyale, soweit es die Situation zuließ, mehr mit Begeisterung als mit Sorge.

temporary bridge

Eine der provisorischen Brücken. Um zu sehen, ob wir es geschafft haben, klickt hier (5,4 MB)!


trucks in mud

Die Strasse war erst wieder geöffnet worden und es gab viele die Richtung Süden wollten.



Die Strasse war schlecht. Die meisten Brücken, die weggeschwemmt wurden, waren in der Zwischenzeit wenigstens provisorisch wieder aufgebaut worden, allerdings in der „quick and dirty“-Weise, die wir als wahre afrikanische Ingenieurkunst kennen lernen durften. Einige waren immer noch im Bau, so dass wir Umwege durch den Busch machen mussten, was vor allem James Verlangen nach Schlamm befriedigte. Später verwandelte sich der Schlamm in Wellblech mit spitzen Steinen, die eine wahre Pest waren. Aber immerhin: endlich waren wir im wahren Afrika.
Kilometer für Kilometer erstreckte sich die Strasse durch Kenias einsamstes Territorium und das Gefühl von Abenteuer war definitiv vorhanden. Das Auto hielt zusammen. Das Einzige war einer leckenden Öldichtung an der Vorderachse, die sehr effektiv unsere vordere rechte Bremsscheibe schmierte, was uns nur verminderte Bremskraft ließ. Aber, wir hatten keinen Regen. Die Sonne schien die gesamte Zeit, bis zu der kleinen Stadt Marsabit, wo wir vorhatten, die Nacht zu verbringen. Von hier war es halber Weg nach Isiolo, von wo an endlich der Teer anfangen sollte.



Verdiente Pause auf halber Strecke durch die Dida Galgalu Wüste.


desert road


Es hier ohne Platten zu machen war mehr als ein Wunder.


Als wir nach Marsabit kamen, wurde es gerade dunkel. Da wir mit den Motorradfahrern ausgemacht hatten, uns bei Henry, der Unterkunft des Schweizers zu treffen, wussten wir nun nicht so recht wonach suchen, da sie immer noch unterwegs waren, weit hinter uns. Wir fuhren durch den kleinen Ort, unsere Köpfe aus dem Fenster gestreckt und nach einem Hotelschild Ausschau haltend, das auf die Beschreibungen hätte passen können, als plötzlich ein junger Mann auf uns zu kommt und fragt ob wir nach Henry suchen.
-Henry, der Schweizer? antwortete ich und bekam natürlich ein „ja!“ und ein bekräftigendes Nicken als Antwort. Er bot uns an den Weg zu zeigen und da wir keine bessere Möglichkeit hatten, nahmen wir an. Mit ihm auf unserer hinteren Stoßstange stehend fuhren wir aus dem Ort in Richtung Süden. Es gab im gesamten Ort keine Straßenbeleuchtung und als wir aus dem Ortszentrum herausgefahren waren, war es rabenschwarz um uns herum. Der Mann führte uns von der Hauptstraße auf einen Weg, der mehr eine ausgewaschene, schlammige Buckelpiste war als eine Straße. Unser Misstrauen stieg, denn es gab keine Lichter weit und breit und der Weg machte den Anschein, als er gleich auf dem Feld oder sonst wo enden würde. Wir hielten ein paar Mal an, um uns bei ihm zu versichern, ob das auch der richtige Weg sei, aber er beharrte und versicherte uns, dass wir nicht ganz einen Kilometer weg sind.

Wir haben es nicht ohne Überfall bis nach Marsabit geschafft, nur um uns nun von ein paar Jungs von der Strasse locken zu lassen und uns mitten in der Nacht von unseren Wertsachen befreien zu lassen. Aber der Mann hatte etwas an sich, das uns ihm genug glauben ließ, um es zu versuchen und zu schauen, was uns hinter der nächsten Kurve erwartete. Wie versprochen, standen wir nach einigen hundert Metern vor einer Art Farm. Sie war komplett dunkel. Wir zögerten einen Weile davor, da wir misstrauisch waren, ob sie das Tor nicht vielleicht hinter uns zu machen würden, wenn wir einmal drin sind. Dann sahen wir Lichter und ein Mann kam mit der Taschenlampe vom Gebäude auf uns zu und begrüßte uns.

Henry aus der Schweiz hat die meiste Zeit seines Lebens hier in Marsabit gelebt, als sich dann vor einigen Jahren ein paar Overlander bei ihm auf die Farm verirrt hatten. Anscheinend waren sie sehr von Henry und seiner Gastfreundschaft begeistert gewesen, denn in der folgenden Zeit kamen immer mehr Overlander hier vorbei, nach dem die Nachricht ihren Lauf genommen hatte. Henry, der in Marsabit eine kleine Baufirma betreibt und von den Einheimischen nur Henry, der Architekt  genannt wird, hatte angefangen für die mehr und mehr werdenden Gäste richtige Toiletten und Duschen zu bauen. Sein „Camp“ ist immer noch nicht offiziell, was der Grund dafür ist, dass es noch keine Schilder gibt, die auf diese kleine Oase außerhalb Marsabits hinweisen. Man muss es eben mit etwas Glück finden oder den Einheimischen vertrauen.

Am nächsten Morgen machten wir uns alleine weiter auf den Weg, da Katie und James schon früh aufgebrochen waren und Mark und Campbell noch einen Tag hier bleiben mussten, um ihre Motorräder zu reparieren. Die Strasse blieb weiterhin schlecht, auch wenn es nun vor allem der Wellblechboden war, der uns verrückt gemacht hat. An einem Punkt fing das Reserverad auf der Motorhaube an Pirouetten zu drehen. Als wir anhielten, merkten wir, dass sich auf Grund der Vibrationen die komplette Halterung gelöst hatte. Genau aus dem Grund hatten wir eine Nietzange mitgenommen. Wir beförderten das Rad hinten ins Auto und fuhren weiter Richtung Süden.

lunch break

Unser Ersatzrad löste sich aufgrund der schlechten Strasse.


Am späten Nachmittag kamen wir endlich in Archers Post und am Haupteingang des Samburu National Parks an, wo wir wilde Tiere sehen und die Nacht verbringen wollten.
Da es für uns beide das erste Mal in einem National Park war, wussten wir beide nicht so recht was wir zu erwarten hatten. Wir fuhren einfach hinein und fingen an rechts und links zu schauen, ob sich etwas bewegt. Und ich muss sagen, dass ich etwas erstaunt war, als wir nach fünf Minuten schon unsere erste Impala Gazelle sahen. Und dann noch eine. Und noch eine. Es ist unglaublich.

Pelefant

Elefant, weniger als vier Meter von uns weg.


Während der 24 Stunden, die wir im Park verbrachten und in einem Labyrinth aus tausenden kleinen Wegen durch den Busch fuhren, sahen wir eine beeindruckende Anzahl von Tieren. Elefanten, Gazellen, Giraffen, Vogelstrauße, einen Geparden, Antilopen, Wasserbüffel, Zebras, Nilpferde, Paviane, Weißbüschelaffen und viele mehr. Leider sahen wir dieses Mal keine Löwen – aber wir blieben mit dem Auto im Schlamm stecken, als wir nach ihnen unten am Fluss suchen wollten. Wir haben 20 Minuten gebraucht, bis wir mit Schaufel und Sandbleche unsere Sally aus dem Schlamm hatten. Es ist faszinierend, wie das Wissen über umherstreunende Löwen dem Buddeln eine ganz andere Motivation und Effektivität verleiht.
Als wir am nächsten Tag den Park verließen, waren wir ziemlich erschöpft, hauptsächlich von dem ständigen Entscheiden, welchen Weg man fahren soll. Alle 200 Meter gab es eine kleine Weggabelung. Nach ein paar Stunden wird einfach das Hirn zu heiß.

view point

Nach etwas Klettern wurden wir mit ein paar Keksen und einem atemberaubenden Ausblick über den Nat.Park belohnt.


Mt Kenya

Der Gipfel von Mt Kenya.


Die nächste Nacht verbrachten wir südlich von Isiolo und fuhren am nächsten Morgen weiter in Richtung Süden nach Nairobi. Auf dem Weg umfuhren wir Mt Kenya, der seine verschneite Spitze zeigte, was für diese Jahreszeit recht ungewöhnlich ist. Wir machten den obligatorischen Stop am Äquator und machten uns den Spass mit einem Bein auf der Nord-, mit dem anderen auf der Südhalbkugel zu stehen. Das Gefühl glich sehr stark dem herkömmlichen Stehen, war aber trotzdem recht lustig.

equator stop

Been there, done that...


Wir fuhren in die große, Smoggefüllte Stadt Nairobi am Nachmittag und hangelten uns auf einem richtigen Highway zwischen den Schlaglöchern hindurch. Es war ein schönes Gefühl von Zufriedenheit das Auto auf dem Campingplatz abzustellen und den ersten Teil unseres Projektes abzuschließen. Wir sind nach mehr als 13 000 km Abenteuer sicher in Nairobi gelandet und standen nun unserer vielleicht noch größeren Herausforderung gegenüber, der Durchführung unseres Workshops in Kibera.


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