Wir
mussten uns nun überlegen, wo wir unser neues Baby bis
zum Start unserer Reise unterstellen. Die Schwierigkeiten
herauszufinden, welche Kosten für das Auto in Deutschland
anfallen würden, sprich Versicherung und Steuer, haben
uns zu der Entscheidung gebracht, lieber nach Schweden zu
fahren.
Wir
haben uns bei in Düsseldorf getroffen, wo Staffan zu
dem Zeitpunkt wohnte und unser Baby stand. Bis zu diesem Zeitpunkt
hatte ich nur Bilder von unserem Landy gesehen. Aber als er
mich am Bahnhof abholte, war es wie Weihnachten, Geburtstag
und Ostern zusammen. Einfach herrlich! Da stand er vor mir
- mit der ganzen Ausrüstung, in voller Schönheit
und dem Flair von der letzten Safari. Dieser Landy war großartig.
Am nächsten Morgen sind wir Richtung Hamburg aufgebrochen.
Wir hatten einen Termin in der Offroad-Manufaktur, nicht wegen
eines Defekts, sondern aufgrund einer Routine Wartung.
Unser Landy schnurrte die Autonbahn entlang wie ne Katze ...
Eigentlich begann der Tag der Reparatur nicht gerade so, wie
er im Buche steht. Der nette Man von der Offroad Manufaktur
hatte schon Recht, dass es ein gewagter Plan war, die Weiterfahrt
gleich im Anschluß an den Werkstattbesuch zu planen.
Mit dem Zahnriemen ging glücklicherweise alles glatt.
Das Problem hatte nur schon viel früher begonnen, als
wir morgens um acht vergeblich versucht haben das Auto zu
starten. Am Abend vorher waren wir noch eine Weile im Landy
gesessen und haben unsere Errungenschaft in vollen Zügen
genossen. Staffan war sich an dem Abend sicher, dass zwei
Batterien im Auto sind, was uns die Gewissheit gab Musik zu
hören und Licht brennen zu lassen. Und dann standen wir
da, mit nur einer Batterie. Leer, wir hatten noch ca. eine
Stunde bis zu unserem Termin und wollten in ein paar Stunden
nach Schweden weiter.
Ich war von meinem damaligen Mercedes/8 gewohnt, Leute um
Starthilfe anzusprechen. Nur morgens um halb neun, wenn alle
zur Arbeit fahren ist das noch einmal etwas anderes. Ich habe
also alles angehalten, was mir in den Weg kam. Nach einem
misslungenen Startversuch, stellte eine sehr freundliche,
etwas unsichere Dame ihr Auto zur Verfügung. Doch der
Landy sprang nicht an. Nach einem Anruf in der Werkstatt schickten
sie jemanden los, um uns zu helfen, was allerdings mit einer
halben Stunde Wartezeit verbunden war. Hilfe war also unterwegs
und wir warteten. Auf einmal kam eine aufgelöste Frau
auf uns zu - die Dame von eben. Mein Auto macht keinen Mucks
mehr!!! Schock! Sie hatte ihr Auto geparkt, aber vergessen
die Fenster zu schließen. Beim erneuten Starten ihres
Autos hatte kein Licht aufgeleuchtet.
Hätten wir uns eigentlich denken können, daß
ein Fiat Seicento nicht der richtige Partner zur Starthilfe
bei einem Landy ist!
Die gute Frau musste also wieder glücklich gemacht werden.
Wir nahmen ihre Batterie mit in die Werkstatt und hängten
sie während der Reparatur ans Ladegerät und hofften,
dass sie anschließend wieder funktionieren würde.
Soweit ging dann alles wieder glatt, wir besorgten die restlichen
Sachen für unseren Urlaub plus eine Sektflasche, die
wir der Frau als Entschuldigung für den ganzen Ärger
schenken wollten.
Wir trafen uns also später an ihrem Auto, ich baute die
Batterie wieder ein - nichts! Keine Chance, die Ladezeit war
einfach zu kurz. Aber es half nichts. Sie verstand nicht viel
von Autos, brauchte nun aber ein funktionierendes, um ihren
Feierabend vollends genießen und nach Hause fahren zu
können. Das einzige, was uns übrig blieb, war ihr
eine neue Batterie zu kaufen. Wir waren mit den Nerven schon
etwas hinüber, da es uns beiden vor allem sehr, sehr
peinlich war und an diesem Tag irgendwie alles schief gegangen
ist. Zusätzlich kamen so langsam in Zeitdruck.
Ich glaube, sie wird nie wieder jemandem helfen. Das ist schade,
weil sie wirklich sehr nett war. Ein nächstes Highlight
folgte auf dem Fuße, als Staffan versuchte das verhedderte
Starterkabel zusammenzurollen und ich ihm half das Gewirr
in den Griff zu bekommen. Just in dem Moment, knallt es super
heftig...da lag sie, die schöne Sektflasche, die wir
in zwei Minuten der Dame geben wollten. Wenn etwas schief
gehen kann, dann richtig. Ich stand mit dem Rücken zu
der Dame und habe ihr Gesicht deshalb nicht gesehen - aber
sie muss sehr erschrocken sein.
Es half alles nichts. Das einzige was blieb, war ihr eine
neue Batterie zu kaufen. Wir fuhren mit ihr zum nächsten
Fiathändler und brachten ihr Auto wieder in Ordnung.
Nun konnte sie zufrieden heimfahren und wir endlich unseren
Urlaub beginnen. Von nun an lief alles ohne weitere Zwischenfälle.
Es konnte nur besser werden.
Die folgenden Tage verbrachten wir sehr entspannt bei Staffans
Schwester und ihrer Familie in Göteborg, bevor wir mit
Staffans Schwager Jerker Persson und Niklas Johansson, beide
ebenfalls Designer, in deren Ferienhaus ein langes Wochenende
verbrachten.
Das Fahren in einem Land Rover ist wirklich ein Erlebnis.
Die Strecke nach Schweden hoch war die erste wirkliche Fahrt
in diesem vielgeliebten Vehikel. Man muss sich daran gewöhnen,
keine Frage. Er ist laut, langsam, spartanisch eingerichtet,
aber nicht unbequem. Das Reisen ist sehr entspannend, muss
ich sagen (auf den afrikanischen Straßen nächstes
Jahr wahrscheinlich nur noch bedingt), gemütlich und
das Tolle: man bemerkt es nicht einmal sehr, wenn ein Stau
ist oder stockender Verkehr. Man freut sich einfach in solch
einem Auto zu fahren.
Neben dem gesellschaftlichen Part des Wochenendes hatten wir
noch einmal die Möglichkeit mit Niklas über unser
Vorhaben in Kibera zu sprechen und von seinen Erfahrungen
mit den Studenten vor Ort zu hören. Er und auch Jerker
bestärkten uns beide sehr in unserer Idee, was uns zusätzliche
Motivation und Bestätigung gab. Die Studenten seien sehr
motiviert und offen, haben etwas Designerfahrung in Grafik
und Webdesign. Vor allem war Niklas schon einmal dort und
hat bewiesen, dass es funktioniert. Wir bekamen ein gutes
Bild, von dem, was uns dort ungefähr erwarten wird und
welche Möglichkeiten und Chancen wir haben, die wir hoffentlich
auch nutzen können.
Der letztendliche Höhepunkt unserer 2-wöchigen Reise
war in Getmossen, wo wir Staffans Eltern besuchten. Für
einen Landy die perfekte Umgebung: Wald, Gelände und
eine wenig bewohnte Gegend. Sämtliche Hindernisse und
Steigungen wurden bequem bewältigt. Anschließend
gaben wir unserer Lady erstmal eine gründliche Erstwäsche
und vollzogen einen technischen Gesamtcheck. Alles tip top.
Und die Umgebung zeigte sich als der ideale Platz, um ein
Auto unter zu stellen. Die Menschen haben schließlich
viel Platz hier.
Dem Vorschlag des Vaters folgend, begannen wir, auf dem elterlichen
Grundstück einen Hangar zu bauen. Einfach, mit wenigen
Mitteln und dem kommenden schwedischen Winter trotzend. Es
fühlte sich an, als ob wir im afrikanischen Busch standen.
Wir rodeten eine Fläche von ca. 12 mal 20 Meter, fällten
zehn Birken und bauten in zwei Tagen einen standfesten Unterstand.
Es war fantastisch.
Unsere erste Buschprüfung wäre somit bestanden.