Die meisten Menschen verstehen Design als
die Gestaltung von attraktiven Produkten, denen der Designer
eine ansprechende Hülle verleiht, rein zu dem Zweck der
Verkaufförderung. Dass Design aber schon im Anfangsprozess
einer Produktentwicklung mit einbezogen wird und ganz erheblich
darauf einwirkt, wie das Produkt verwendet wird und dass es
als Schnittstelle im Alltag dient, ist vielen nicht bewusst.
Genauso wenig können sich viele Menschen vorstellen,
dass Design selbst in armen Regionen der Welt sinnvoll eingesetzt
werden kann.
Design ist ein Prozess der Problemlösung – er setzt
unkonventionelles, kreatives und abstraktes Denken voraus
und kann unserer Meinung nach von jedem erlernt werden, der
Motivation und Kreativität mitbringt.
Da Design entscheidend unser Lebensumfeld mitgestaltet und
beeinflusst, wollen wir mit unserem Projekt deutlich machen,
dass dies auch in armen Regionen der Welt möglich ist.
Design ist kein Luxusgut, und da viele Probleme in Entwicklungsländern
so offen zutage liegen, sollte es keine Frage sein, ob Design
dort sinnvoll ist oder nicht.
Design for Development Wir
werden im Januar 2006 nach Kenia fahren, um dort ein 3-monatiges
Design Projekt zu realisieren. Unterstützt von der Nichtregierungs-organisation
Carolina for Kibera werden wir mit den Menschen vor Ort Problemlösungen
entwickeln und mit den dort vorhandenen Mitteln
Produkte für das tägliche Leben gestalten.
Dabei wird das Thema Recycling im Vordergrund stehen. Die
meist Jugendlichen sollen selbst aktiv Probleme in ihrem Umfeld
lokalisieren und Lösungen suchen. Wir werden dabei unsere
Fähigkeiten als Designer einbringen
und mit ihnen gemeinsam passende Produkte oder Dienstleistungen
schaffen.
Uns ist es dabei wichtig, die kulturellen Besonderheiten und
die kenianische Identität in die Ergebnisse einfließen
zu lassen. Nur wenn die Menschen selbst aktiv beteiligt sind
und die Lösungen auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten
sind, können sie eine Verbesserung der Lebenssituation
bewirken.
Kibera Slum
Wir realisieren das Projekt in Kibera am Rande von Nairobi.
Kibera ist mit 800 000 Einwohnern und der fast doppelten Fläche
von Berlins Tiergarten einer der größten Slums
in Ostafrika. Die Hälfte der Bevölkerung ist unter
15 Jahren. Die Gegend beheimatet 5 der 6 größten
ethnischen Gruppen in Kenia, die immer noch unter den blutigen
ethnischen Konflikten der vergangenen Jahre leiden.
Das Projekt führen wir in Kooperation mit der internationalen,
unabhängigen Organisation Carolina for Kibera durch.
Sie setzt sich gegen ethnisch-religiöse Gewalt ein. Die
Grundlage ihres Engagements ist die Idee der
aktiven Teilnahme des Einzelnen an seiner eigenen Entwicklung.
Denn letztendlich besitzt nur die Gemeinschaft das Wissen
und die notwendige Motivation, die eigenen Probleme zu lösen.
Afrikanische Kreativität
Auf unserem einjährigen Weg von Europa bis nach Kappstadt
(route 3) über
den Landweg wollen wir die verschiedenen Länder und Kulturen
kennen lernen und vor allem dokumentieren, wie die Menschen
mit Materialien und Produkten umgehen, wie erfindungsreich
sie sind, wie sie Recycling betreiben und ihr kreatives Potential
mit meist einfachsten Mitteln einsetzen. Durch diese Eindrücke
erhoffen wir uns ein besseres Verständnis für die
Bedürfnisse und Gewohnheiten der Menschen, was uns ermöglichen
soll, unsere Fähigkeiten während des Projektes in
Kibera besser einsetzen zu können.
Die Ergebnisse sollen im Anschluss an das Projekt publiziert
werden.
Ziel Als
diplomierte Industrie-Designer haben wir den Anspruch den
Menschen in Kibera Designmethoden nachhaltig weiter zu geben.
Am Ende des Projektes sollen die Menschen in der Lage sein,
mit den erlernten Methoden und Fähigkeiten, ihre persönliche
Entwicklung selbstbewusst in die eigene Hand zu nehmen. Wir
halten uns dabei offen, bei entsprechendem Erfolg das Projekt
später weiter zu führen.
Design und Afrika mag für viele Menschen auf den ersten
Blick nicht zusammen passen und man mag sich fragen, warum
Design für die Menschen nützlich sein kann. Das
zu zeigen ist für uns die große
Herausforderung. Design ist mehr als nur Verpackung, schön
gestaltete Oberflächen oder die hundert millionste Designerleuchte.
Wir wollen zeigen, dass Design ein Arbeitsprozess ist, der
selbst in den ärmsten Regionen der Welt und in allen
Lebensbereichen hilfreich einsetzbar ist. Denn hier sind wirkliche
Problemlösungen gefragt!